
In Creglingen wird es am 12. April eine Gedenkfeier zum 60. Jahrestag des Kriegsendes geben / Blick auf die Ereignisse in den letzten Kriegstagen
Creglingen. Erstmals in jüngerer Zeit soll es eine Gedenkfeier zum Kriegsende in Creglingen vor 60 Jahren geben. Der Gemeinderat stimmte einem Vorschlag der Verwaltung zu, am Abend des 12. April, einem Dienstag, auf der Tauberbrücke eine Gedenkfeier abzuhalten. An jenem Tag vor 60 Jahren ging der zweite Weltkrieg für die Creglinger mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen zu ende.
Es war nicht nur das Ende des zweiten Weltkrieges, auch die Naziherrschaft wurde mit dem Einmarsch der US-Truppen beendet. Grund genug, am 60. Jahrestag dieses historischen Ereignisses zu gedenken, begründete Bürgermeister Hartmut Holzwarth seine bisher beispiellose Initiative.
Seit jenen Tagen - in den Creglinger Ortschaften Richtung Rothenburg zogen sich die Kämpfe noch einige Tage länger hin - habe es in Creglingen keine kriegerischen Auseinandersetzungen mehr gegeben, sagte der Bürgermeister. "So erinnert das Kriegsende einerseits an die Schrecken vergangener Tage, andererseits zeigt uns
das Datum auch, dass wir sechs Jahrzehnte in Frieden leben durften".
Die Tauberbrücke als Ort für die Gedenkfeier wurde mit Bedacht gewählt: sie wurde an jenem 12. April, einem Donnerstag, gegen 19 Uhr von abrückenden SS-Einheiten teilweise zerstört. Nur wenig mehr als eine Stunde später rückten die Amerikaner in Creglingen ein, das kampflos besetzt wurde.
Allerdings, so berichten Zeitzeugen laut Bürgermeister Holzwarth, habe es unter tragischen Begleitumständen Tote gegeben. Als nämlich die SS den Mittelteil der Brücke sprengte, hätten angeblich zwei taubstumme Frauen die Warnrufe nicht gehört und seien bei der Explosion ums Leben gekommen. Andere Zeitzeugen sprechen hingegen von einem Todesfall.
Sinn machte die Zerstörung der Brücke nicht: die Amerikaner fuhren mit ihren Panzern, wie vielerorts auch, einfach durch die Tauber.In welchem Rahmen des Kriegsendes vor 60 Jahren gedacht werden soll, steht noch nicht fest. Die Verwaltung will gegen 19.30 Uhr eine kleine Feier auf der Tauberbrücke abhalten. Im Gemeinderat stieß die Initiative auf breite positive Resonanz. So sprach Ulrich Schönberger von einer "großen Zäsur im Leben der Menschen", und Karl Haag bezeichnete die Feier als "gute Idee".
Die Ereignisse am Ende des zweiten Weltkrieges rücken am 60. Jahrestag wieder verstärkt ins öffentliche Blickfeld. Der Lehrer Erwin Heißwolf hat im Jahr 1969 als Unterrichtshilfe für andere Kollegen einen Beitrag unter dem Titel "Die letzten Kriegstage in unserer Heimat" verfasst, aus dem wir nachfolgend zitieren.
"Schon im Sommer 1943 flogen amerikanische Bomber am hellichten Tag über unsere Gegend hinweg zum Angriff auf die Städte Nürnberg und Schweinfurt. In den Nächten war am Himmel der Feuerschein zu sehen, und aus dieser Richtung konnte die betroffene Stadt ermittelt werden". Heißwolf weiter: "Durch Angriffe deutscher Jagdflieger und durch Flakabwehr stürzten ein feindliches Flugzeug im Hambuch und eines bei Tauberzell ab". Mit dem Näherrücken der Front Anfang 1945 mehrten sich die Angriffe der Jagdflieger auf die Zivilbevölkerung in den Dörfern, auf den Straßen und auf dem Feld.
In der Karwoche Ende März war an dem ungeordneten Rückzug von deutschen Truppen vorauszusehen, dass die Front nicht mehr weit sein konnte. Die Truppe war meist ohne Fahrzeuge, oft mussten die Bauern ihre Gerätschaften ein Stück weit fahren. Manchmal waren Ochsen vor die Wagen gespannt, und auch mit Schubkarren sind die Landser gefahren". In dem Bericht heißt es weiter: "Vom 12. bis 15. April besetzten die Amerikaner den östlichen Teil des Kreises Mergentheim.
Der Vormarsch erfolgte in zwei Richtungen: Von Laudenbach - Niederstetten über Rinderfeld Richtung Rothenburg und durch das Taubertal und das Herrgottstal ebenfalls in Richtung Rothenburg. Die Amerikaner drängten so die deutschen Truppen auf immer engeren Raum zusammen. Im allgemeinen kann man sagen, dass die Kampfhandlungen auf der Höhe viel heftiger waren als in den Tälern. So lassen sich drei Zentren deutschen Widerstandes nachweisen: 1: Aub/Sechselbach, 2: Queckbronn sowie 3: Oberrimbach, Blumweiler, Weiler, Schmerbach, Schwarzenbronn und Reutsachsen. In den wenigen Kriegstagen fanden bei den Kämpfen im oberen Bezirk zirka 40 deutsche Soldaten den Tod, während auf amerikanischer Seite rund zehn Soldaten starben.
Eine andere Quelle schildert den Vormarsch der Amerikaner auf Creglingen und Rothenburg: "Um Creglingen, Niederrimbach und Queckbronn kam es am 11. und 12. April zu Kämpfen, besonders auf der waldigen Bergkuppe des Bockstalles. Die ersten Amerikaner drangen am 12. April um 18 Uhr auf dem linken Tauberufer bei der Einmündung des Mühlbaches nach Creglingen ein. Die Stadt war am Abend des 7. April beschossen worden, am 12. April wurden der Bahnhof, die Stadtkirche und andere Häuser getroffen. Von Klingen her rückten Panzer auf der Taubertalstraße nach, die auf dem anderen Ufer in die Vorstadt eindrangen.
Von Creglingen aus nahmen die amerikanischen Kampftruppen in zwei Richtungen den Vormarsch gegen Rothenburg auf, einmal die Tauber aufwärts und durch das Tal des Herrgottsbaches gegen Münster und Lichtel.
Am 13. April nahmen die Panzer Münster ein, von dort aus Lichtel, Oberrimbach und Schmerbach. Harte Kämpfe gab es bei Blumweiler. Im Klingenholz hatten sich deutsche Truppen festgesetzt, in Wolfsbuch lag eine Infanteriekompanie.
Die Amerikaner mussten schwere Waffen einsetzen, bevor der Widerstand gebrochen war. Erst am 15. April wurde Wolfsbuch besetzt, zehn deutsche Soldaten starben. In der Gemeinde Blumweiler wurden 28 Gebäude zerstört - sechs in Blumweiler, je acht in Schwarzenbronn und Reutsachsen.
Zurück zu dem Bericht von Erwin Heißwolf: "Die meisten Bewohner waren froh, wenn die Front über die Dörfer hinweggezogen war. Als man annehmen konnte, dass die deutschen Soldaten abgezogen waren, beeilte man sich, ein weißes Stück Tuch zu zeigen als Zeichen der kampflosen Übergabe. Nach einer kurzen Hausdurchsuchung der Amerikaner verlangten diese oft Eier und Schnaps. Und wenn das Essen zubereitet war, mussten die Gastgeber es zuerst kosten, ehe sich die Amerikaner daran wagten, wohl aus Furcht, es könnte vergiftet sein".
Die Besetzung der Dörfer durch die Besatzungsmacht war sehr verschieden gehandhabt worden. In Freudenbach wurden mehrere Häuser beschlagnahmt, und die Bewohner mussten für drei Tage ausziehen. Dann zogen die Truppen ab, und das alltägliche Leben setzte wieder ein. In Münster dauerte die Besatzungszeit vom 12. bis 22. April. In anderen Orten lagen amerikanische Soldaten bis Mitte August in den Quartieren, so in Reinsbronn. abo
© Fränkische Nachrichten - 17.02.2005