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2002-07-08: Club der 13 Stadtteile feierte ausgelassen



Ortschaften boten ein von Lokalkolorit geprägtes Programm / "Gelungene Neubildung"

Creglingen. 30 Jahre - so was feiert doch keine Stadt! Selbst Firmen legen Wert auf die ganzen, halben oder viertel Jahrhunderte. Aber als Creglingen sein fünfund zwanzigjähriges Gemeinschaftsleben seit der
Verwaltungsreform hätte feiern können, hatte die 650-Jahr-Feier Vorrang. Also feierte man jetzt den Dreißigsten.

Volle Mehrzweckhalle, beschwingte Stimmung, Feierlaune: 13 einst selbstständige Gemeinden feiern Geburtstag. Es war, so Bürgermeister Hartmut Holzwarth, die "herausragendste kommunalpolitische Veränderung" in der jüngsten Geschichte, dass man sich seinerzeit zu dreizehnt zusammenraufte zur Gesamtgemeinde Creglingen. Das war "notwendig und richtig", denn die Herausforderungen der Gegenwart hätten die Einzelgemeinden wohl kaum so gut meistern können, führte Holzwarth aus, auch wenn in der Flächengemeinde immer mal wieder die
hohe Kunst des Wartenkönnens trainiert werden muss. Zu feiern gelte es nicht nur das Jubiläum der Gesamtgemeinde, zu feiern gelte es auch dreißig Jahre Ortschaftsverwaltung auf den Teilorten.
Markantes Gesicht Dabei war es gar nicht so einfach, sich zusammenzuraufen, seinerzeit: Baden-Württemberg wünschte eine Verwaltungsreform, fein. Aber im Nordostzipfel des Landes hat man durchaus seinen eigenen Kopf, und debattierte entsprechend ausgiebig. Verwaltungsverband? Eingemeindung? Mehrere Gemeindezusammenschlüsse? So viele Möglichkeiten, so viele Meinungen. Nach vielen Bürgerversammlungen, Beratschlagungen und sanfter Ermunterung seitens des Regierungspräsidiums fand Ende Januar 1972 die Vereinigung statt und wurde am 1. Februar vom damaligen Regierungspräsidium Nordwürttemberg ordnungsgemäß abgesegnet.

Landrat Georg Denzer begleitet die "gelungene Neubildung" seit immerhin 24 Jahren. Ihm seien die Ortschaftsräte mit ihren kernigen Mitgliedern und ihren klaren Worten "ein Quell steter Freude", so dass
er nicht nur in den Zentralort, sondern auch in alle Teilorte immer wieder gern komme. Längst nicht überall sei die Verwaltungsreform mit ihren Verlusten an Selbstständigkeit so gut gelaufen wie im Creglinger Club der einst selbstständigen Dreizehn.

Dass die immer noch ihr eigenes markantes Gesicht haben, bewiesen sie beim Jubiläumsabend. Die Kernstadt Creglingen vertrat eine Tanzgruppe der Grund- und Hauptschule Creglingen. Statt etlicher Einzelschulen
ist heute das Schulzentrum wichtiger Integrationsfaktor für die jüngsten Bürger. Logo, dass sie meinen: "Hip hop - Schule ist top". Mit Rasselbanden-Schwung und offensichtlichem Vergnügen zeigten Creglingens Jungfüchse, wo's lang geht: Daumen hoch, es gibt ja uns.

Die Archshöfer Mitbürger luden ins Quizshow-Studio. Showmasterin "Die Gute Ute" wollte es genau wissen: Wann, bitte, lassen sich Bürgermeister und Gemeinderäte wohl am ehesten in Archshofen blicken? Wenn Hochwasser angesagt ist? wenn's brennt? Wenn's Freibier gibt? Wenn die Heckenwirtschaften offen haben? Der Berichterstatter verrät nur, dass es nicht mit Feuer und Wasser zu tun hat.

Dass alte Häuser nicht nur G'lump sind, sondern durchaus werthaltige Objekte darstellen, lehrte der Sketch der Schwarzenbronner Landfrauen: Da wird in der Anzeigenaufnahme aus der baufälligen Ruine ein rein antikes Landhausidyll. Fließend Wasser - direkt durchs Dach -, naturbelassene Zuwegung - na ja -, altertümliche Beleuchtung -schlimmstenfalls etwas düster. Nein, so etwas verkauft man nicht!. Bühnenreif Gerhard Kilian aus Blumweiler und Erika Junker aus Lichtel nahmen sich der Problematik des Sonnenbrandes an, der bei allzu ausgedehntem Genuss des Erholungsgebietes in Münster drohen kann: unter Freunden legt man schon mal füreinander die Hand ins Feuer - und trägt, wenns recht drauf ankommt, für ihn und sie auch schon einmal die Haut zu Markte.

Im Finsterlohrer Keltennest haben "Klappt Nix" und "Trifft Nix" die Römer "mal widder g'scheit verdroscha" und beratschlagen nun, ob sie bereit sind, sich von Gäius Holzwartulus in das ursprünglich für die römische Handwerkerschaft vorgesehene Schanz auf der Äckerbrunnenhöhe umsiedeln zu lassen. Gut, dass es fette Wildschweinhorden gibt: der wilde Trupp stellt daraufhin drohende Kriegshandlungen einstweilen zurück. In nur vier Wochen hat sich die Keltengruppe mit Hilfe von Arno Boas zur Bühnenreife gemausert.

Freudenbach ermöglichte der Festgemeinde eine Liveschaltung zur Ortschaftsratssitzung. Zwar traut man bis heute nicht allen Creglinger Nachbarn, neigt aber zu kooperativen Lösungen: Wenn etwa, womit durchaus zu rechnen sei, die Finsterlöhrer unterm keltischen Oppidum noch eine römische Therme finden sollten, ist mit gemeinsamer touristischer Vermarktung zu rechnen. Der Ortschaftsrat avisiert für diesen Fall einen keltisch-römischen Wanderpfad mit erstklassiger Bewirtung durch die Landfrauen. Und überhaupt: hätten die Freudenbacher den anderen keine Steine gegeben, dann könnten die Restcreglinger heute suchen, woher sie ihre historischen Attraktionen nehmen.

Mit Nachwuchs beglückt der Niederrimbacher Ortsvorsteher Dollmann war sich nicht ganz sicher: Feiert man nun den 30. Geburtstag, den 30. Hochzeitstag, dreißig Jahre Zwangsehe oder das Überleben einer schweren Geburt mit Hilfe einer Stuttgarter Hebamme?. Egal: da Zugewinngemeinschaft auch in Zwangsehen besteht, ist an Scheidung nicht zu denken. Schließlich teilt man gerade mit Creglingen sowieso schon einiges, etwa den Galgen, der nur hundert Meter von der Niederrimbacher Grenze entfernt stand und "sicherlich gutnachbarschaftlich gemeinschaftlich genutzt" wurde. Auch habe Creglingens Gemeindebulle noch bis in die Neuzeit die Niederrimbacher Kühe mit Nachwuchs beglückt. Auch wenn der Nahe Osten schon beim Zusammenschluss nicht allerbesten Ruf genoss: Man habe auch in Niederrimbach seither festgestellt, dass die Sonne im Osten aufgehe, wo nun mal Creglingen liegt.

Wer sonst als die Bühnenzinnober-Truppe sollte Reinsbronn vertreten? Grübelnder Dichter am Denkertisch: Und über was bitte sei diesmal zu sketchen? Alles schon ausgelutscht oder tabu. Ob aber der Preis des Dichterschweißes gegen Ende der Vorstellung wohl noch auf aufmerksames Publikum treffe? Bei alphabetischer Grundsortierung lag Reinsbronn "last, not least". So forderte man vorsichtshalber "Rache für Brauneck". Die haben seinerzeit die Creichelmer geschleift - unverzeihlich, schließlich liegt das erst ein halbes Jahrtausend
zurück. Ohne Geschichtsbewusstsein, das weiß doch jedes Kind, ist Freundschaft nur die Hälfte wert.

Zwischen den Sketchen eine Vielfalt von Gesang, Tanz und Musik: Der Schmerbacher Light-of-Glory-Chor bot schwingenden Sound, die Craintaler Gymnastikfrauen Western-Power, Barbara Buß aus Standorf steuerte mit ihrer Harfe wunderschöne ruhige Töne bei, der Gesangverein Münster teilte unter dem fremd gegangenen Chorleiter Rehfeld der Stadt Creichel mit: "Du, du liegst mir am Herzen, du". Oberrimbachs Gymnastikgruppe legte kurz vor Schluss nochmal so richtig los.

Der Sängerkranz Waldmannshofen rundete mit dem Wunsch nach Frieden einen rundum gelungenen Festabend ab. Dazu die flinke Bewirtung durch die Handballer- und Tischtennisabteilung des FC Creglingen und schwungvolle musikalische Umrahmung durch die Stadtkapelle Creglingen: die Festgäste dürften sich gern an das fröhlich beschwingte Jubiläumsfest erinnern.

Inge Braune

© Fränkische Nachrichten   -   08.07.2002

 
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